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Berichte der Kletterdamen 2012

Sportklettergruppe Damen 2012

Ein Sommermorgen an der kühlen Nordseite der Steinlingwand:  „Bing, bing, bing, bing!“ Das Klimpern der Karabiner vermischt sich mit dem Läuten der Kuhglocken auf der nahen Steinlingalm. Konzentriert werden Expressschlingen am Gurt verstaut, Anseilknoten geknüpft und Kletterpatschen übergestreift. „Hast du mich?“ „O.k. los geht’s!“ Nein, es handelt sich hier nicht um ein Schweigeseminar im Gebirge, sondern um sechs Mitglieder der Damenklettergruppe, die an diesem sonnigen Sonntag hochmotiviert am Fels zu Werke gehen. Wir genießen die Ruhe am Berg und die sommerliche Voralpenlandschaft genauso wie die Freiheit auch einmal ohne Familie unterwegs zu sein. „Zu!“ tönt es 30 Meter weiter oben. „Und ab!“ Seilkommandos schwirren durch die schattige Morgenluft und auch die Sicherungspartnerinnen sind gefordert, ob manch verwegenem Vorstieg: „Sauber! Der 2. Haken ist geklippt!“ Alle Frauen sind mit großem Eifer dabei, da die Tage am Fels als Mama durchaus rar sind. Nach einiger Zeit sind zahlreiche Routen geklettert und Hakenabstände gemeistert. Schließlich sind wir, anlässlich des Jubiläums, nach dem Motto „125 Haken im Vorstieg“ unterwegs. In der Ferne kündigt sich die vorhergesagte Kaltfront mit leisem Grollen an: „Pack mas Mädels! Na, wir gehen jetzat nimma auf den Kampenwandgipfel!“ Der Himmel ist plötzlich grau und aus dem leisen Grollen wurde ein krachender Donner. Wir können auch keine Griffe mehr festhalten und ziehen zufrieden und mit schönen Erlebnissen im Rucksack ins Tal. Im Almgelände wühlen wir uns durch Latschendickicht und im Wald flüchten wir dann vor den riesigen Hagelkörnern unter die ausladenden Fichten. Fast hätten wir noch einmal den Helm gebraucht. Auch einige Alpensalamander lassen sich das Naturschauspiel nicht entgehen. Gestärkt mit einer Pizza der euphorischen Landsmänner des deutschen EM-Halbfinalgegners treten wir die Heimfahrt an und wer die Augen noch offen halten kann, plant schon den nächsten Kletterausflug. „Wenn jetzat die Kinder schon im Bett sind, nimmt der perfekte Tag ein ruhiges Ende.“

Ein paar Wochen später waren wir an der Bischofsbucht, um die, an der Steinlingwand erworbene Vorstiegsmoral in heimischen Gefilden auf die Probe zu stellen.  Auch dort wurde geklettert bis die Julisonne in die westseitige Wand schien. Nach einem erfrischenden Bad in der Donau und einem feinen Mahl auf der Terrasse von Burg Randeck lassen wir uns von der tapferen Moni nach Hause kutschieren und freuen uns hochmotiviert auf den nahen Sommerurlaub.

Zum Training treffen wir uns immer Donnerstag abends in der Kletterhalle. Dort ist dann das Kontrastprogramm zur anfangs beschriebenen Situation an der Kampenwand zu beobachten: Vor dem Klettern wird erst einmal ausgiebig geratscht. Es gilt schließlich die Herausforderungen des Alltags zu besprechen. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Themen im Leben der Teilzeitmütter: „Was ist der Unterschied zwischen Trocken- und Nassfilzen?“  „Warum müssen Kinder eigentlich zur Schule gehen?“ Oder auch gravierende Schwierigkeiten, wie: „Verdammt, ich hab‘ immer noch Probleme mit den Hakenabständen in Prunn!“ Oder: „Hilfe, mein Mann will keinen Kletterurlaub machen!“ Wir bleiben aber unserem Motto „Mütter gegen die Schwerkraft“ immer treu und klettern an diesem Abend letztendlich bis die Unterarme brennen.

Auch das mentale Training kommt nicht zu kurz. Um die Vorstiegsmoral zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern, treffen wir uns eine Stunde vor dem Klettern zum Yoga mit Nicole. Wer jetzt zweifelt, ob das trainingstechnisch sinnvoll ist, keine Sorge! Bei regelmäßiger Teilnahme gewöhnt sich der Körper schon nach gut zwei Jahren langsam an den Wechsel zwischen Entspannung, Leistenzerren und Powerratschen.        

Claudia Rester